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Photovoltaik · Störung & Schaden

Was passiert bei zu hoher Schneelast?

Schneelast ist das einzige Ereignis, das eine ganze Anlage auf einmal zerstören kann. Sie ist planbar und wird bei der Auslegung berücksichtigt, wenn jemand danach fragt.

Was passiert bei zu hoher Schneelast?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Zuerst verformt sich die Unterkonstruktion, dann brechen Module. Kritisch wird es in hohen Schneelastzonen und bei flacher Neigung, weil dort mehrere hundert Kilogramm je Quadratmeter zusammenkommen können.

Die Größenordnungen

Nassschnee wiegt deutlich mehr als Pulverschnee, üblich sind 200 bis 400 Kilogramm je Kubikmeter gegenüber 50 bis 100. Je nach Schneelastzone und Geländehöhe rechnet man mit Lasten von etwa 0,65 bis über 4 Kilonewton je Quadratmeter, also grob 65 bis über 400 Kilogramm. Module tragen typischerweise 5.400 Pascal Druckbelastung, das entspricht rund 550 Kilogramm je Quadratmeter, geprüft unter gleichmäßiger Verteilung.

Warum die Verteilung wichtiger ist als die Summe

Gefährlich sind nicht flächige Lasten, sondern ungleichmäßige. Schneesackbildung an Kehlen, an Gauben, an Attiken und zwischen aufgeständerten Reihen erzeugt punktuell ein Vielfaches der Durchschnittslast. Auf Flachdächern mit dichter Reihenaufstellung sammelt sich Schnee zwischen den Modulen und drückt von der Seite. Genau dort brechen Anlagen, nicht in der Fläche.

Was zuerst nachgibt

Meist die Unterkonstruktion. Verbogene Schienen, gerissene Klemmen und aus der Verankerung gezogene Dachhaken sind die typischen Bilder. Erst danach brechen Modulgläser. Ein Bruch bleibt oft unbemerkt, weil die eingebettete Zellschicht die Splitter hält und das Modul weiter Strom liefert, wenn auch weniger. Erkennbar wird es an feinen Rissmustern im Glas.

Was bei der Planung hilft

Die Angabe der Schneelastzone und der Geländehöhe im Angebot. Eine Unterkonstruktion mit engerem Trägerabstand in hohen Zonen. Schneefanggitter, die verhindern, dass abgehende Schneemassen Module mitreißen oder Personen gefährden. Und eine ausreichende Neigung, damit Schnee abrutscht. Diese Punkte gehören ausdrücklich in die Auslegung, nicht in die Hoffnung.

Was Sie im Winter tun sollten

Nichts. Module abfegen ist gefährlich und schadet mehr, als es nutzt. Wer eine Anlage in einer hohen Schneelastzone betreibt und außergewöhnliche Schneemengen erlebt, sollte den Dachstuhl im Blick behalten und im Zweifel einen Fachbetrieb rufen, statt selbst aufs Dach zu steigen.

Zur Einordnung des Ertrags: Eine Woche Schneebedeckung im Januar kostet bei 10 Kilowatt-Peak rund 30 bis 60 Kilowattstunden. Ein gebrochenes Modul kostet 200 bis 400 Euro einschließlich Gerüst.

Nach einem schweren Winter lohnt eine Sichtprüfung im Frühjahr: verschobene Module, verbogene Klemmen und Risse im Glas zeigen sich dann deutlich, und ein Schaden lässt sich noch der Wetterlage zuordnen.

Ein Hinweis zur Schneefangeinrichtung: Rutscht eine geschlossene Schneedecke von einer Modulfläche ab, kann sie erhebliche Kräfte entwickeln. Schneefanggitter unterhalb der Anlage sind in vielen Regionen ohnehin vorgeschrieben und schützen zugleich Personen und Fahrzeuge.

Prüfen Sie außerdem, ob die Module bis zur Traufe reichen. Ein Abstand von 30 bis 50 Zentimetern erleichtert das Abrutschen und verhindert, dass sich Schnee an der Kante staut. Und lassen Sie die Schneelastzone im Angebot ausweisen. Sie steht in den technischen Unterlagen der Unterkonstruktion und entscheidet über den Trägerabstand, also über die Tragfähigkeit der gesamten Montage. Bei Zone 3 und Höhenlagen über 500 Metern gehört zusätzlich ein Statiknachweis dazu.

Quellen
  1. Produktsicherheitsgesetz (Gesetze im Internet)
  2. VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.