Wie hoch ist das Brandrisiko einer Photovoltaikanlage?
Brände an Photovoltaikanlagen sind selten und werden trotzdem viel diskutiert. Die tatsächlichen Ursachen sind bekannt und lassen sich adressieren.
Bild: KI-erzeugtGering, aber nicht null. Die häufigsten Ursachen sind Lichtbögen an schlechten Verbindungen und Isolationsfehler. Fachgerechte Ausführung und regelmäßige Prüfung senken das Risiko deutlich.
Warum Gleichstrom das Thema ist
Ein Wechselstromlichtbogen erlischt bei jedem Nulldurchgang, also 100-mal je Sekunde. Ein Gleichstromlichtbogen hat keinen Nulldurchgang und brennt weiter, solange Strom fließt. Bei Strangspannungen von mehreren hundert Volt und Strömen um 10 Ampere entstehen dabei Temperaturen, die Kunststoffe entzünden. Deshalb sind Verbindungsstellen auf der Gleichstromseite der kritische Punkt jeder Anlage.
Die häufigsten Ursachen
Nicht vollständig eingerastete Steckverbinder. Verbindungen unterschiedlicher Fabrikate, die mechanisch passen, aber elektrisch schlecht kontaktieren. Feuchtigkeit in Steckern und Anschlussdosen. Beschädigte Leitungen durch Tierbiss oder Scheuern. Und lose Klemmstellen im Wechselrichter oder im Anschlusskasten, die sich durch Temperaturwechsel gelockert haben. Fast alle diese Ursachen sind Ausführungsfehler und keine Materialfehler.
Was dagegen hilft
Baugleiche Steckverbinder, fachgerecht gecrimpt und vollständig verrastet. Kurze Gleichstromwege durch einen Wechselrichter nahe am Dach. Ein Überspannungsschutz auf beiden Seiten. Eine wiederkehrende Prüfung mit Thermografie, die erwärmte Kontaktstellen sichtbar macht. Und Abschaltmöglichkeiten auf Modulebene, wo sie sinnvoll sind. Diese Maßnahmen kosten bei der Errichtung wenig und später viel.
Was die Feuerwehr tatsächlich macht
Sie löscht. Es gelten Sicherheitsabstände beim Löschen mit Wasser, die in den Einsatzregeln festgelegt sind, üblich sind 1 Meter bei Sprühstrahl und 5 Meter bei Vollstrahl im Niederspannungsbereich. Die verbreitete Behauptung, ein Haus mit Photovoltaik werde kontrolliert abbrennen gelassen, ist falsch. Was der Einsatzleitung hilft, ist eine Kennzeichnung am Hausanschluss und ein Übersichtsplan.
Was Betreiber vorbereiten sollten
Ein Aufkleber am Zählerschrank mit Anlagenleistung, Anzahl der Stränge und Standort des Wechselrichters. Ein einfacher Lageplan im Verteilerkasten. Und die Information, ob eine Abschaltung auf Modulebene vorhanden ist. Diese drei Angaben kosten nichts und sind im Ernstfall die einzigen Informationen, die ohne Suchen verfügbar sind.
Bei Rauchentwicklung, bei sichtbaren Lichtbögen, bei starkem Geruch nach verschmortem Kunststoff und bei wiederkehrenden Isolationsfehlern. Abgeschaltet wird auf der Wechselstromseite über den Leitungsschutzschalter. Die Gleichstromseite bleibt unter Spannung, solange Licht auf die Module fällt, und darf nur von Fachleuten getrennt werden.
Zur Einordnung der Häufigkeit: Gemessen an der Zahl der installierten Anlagen sind Brände selten, und ein erheblicher Teil geht auf Installationsfehler in den ersten Betriebsjahren zurück.
Genau deshalb ist die erste wiederkehrende Prüfung nach 2 bis 4 Jahren die wichtigste. Sie findet die Fehler, die von Anfang an vorhanden waren und sich langsam verschlimmern.
Ein Hinweis zur Prüfung: Eine Thermografie im laufenden Betrieb findet erwärmte Kontaktstellen, bevor sie ausfallen. Sie kostet 300 bis 700 Euro und ist die einzige Methode, die Verbindungsfehler unter den Modulen sichtbar macht.
Vereinbaren Sie sie zusammen mit der wiederkehrenden elektrischen Prüfung. Dann fällt nur eine Anfahrt an, und der Aufpreis bleibt gering. Ein Punkt, der oft fehlt: Lassen Sie den Standort des Wechselrichters so wählen, dass er nicht in einem Fluchtweg und nicht neben brennbarem Lagergut sitzt. Diese Entscheidung fällt einmal und kostet nichts.
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV, Gesetze im Internet)
- VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik