Warum schaltet der Wechselrichter wegen Netzüberspannung ab?
Die Anlage arbeitet einwandfrei und schaltet trotzdem an sonnigen Mittagen ab. Das ist frustrierend und meist kein Fehler der Anlage.
Bild: KI-erzeugtWeil die Netzspannung am Anschlusspunkt den zulässigen Wert überschreitet. Ursache ist meist ein überlastetes Ortsnetz, nicht die eigene Anlage. Der Netzbetreiber muss das prüfen.
Was der Wechselrichter tut
Er ist verpflichtet, sich abzuschalten, wenn die Netzspannung außerhalb des zulässigen Bereichs liegt. Für das Niederspannungsnetz gilt eine Nennspannung von 230 Volt mit einer Toleranz von plus zehn und minus zehn Prozent, also 207 bis 253 Volt. Überschreitet die Spannung am Anschlusspunkt den oberen Wert über einen definierten Zeitraum, trennt sich das Gerät. Ohne diese Regel würden Spannungsprobleme im Netz eskalieren.
Warum die Spannung steigt
Wenn viele Erzeugungsanlagen in einem Ortsnetzstrang gleichzeitig einspeisen, hebt sich die Spannung entlang der Leitung an. Am Ende eines langen Strangs ist der Effekt am stärksten. Verstärkt wird er durch geringe Leitungsquerschnitte, große Entfernungen zur Ortsnetzstation und eine hohe Dichte an Photovoltaik. Deshalb tritt das Problem bevorzugt in Neubaugebieten und in ländlichen Netzen auf, und zwar an sonnigen Wochenenden mit geringem Verbrauch.
Was der Betreiber prüfen kann
Ob die eigene Zuleitung ausreichend dimensioniert ist. Ein zu langer oder zu dünner Leitungsweg vom Wechselrichter zum Zählerschrank erzeugt einen zusätzlichen Spannungsabfall, der sich bei Einspeisung als Spannungsanhebung auswirkt. Vorgeschrieben ist ein Spannungsabfall von höchstens 1 Prozent zwischen Übergabepunkt und Erzeugungsanlage. Wer hier spart, verursacht das Problem im eigenen Haus.
Was der Netzbetreiber tun muss
Er ist für die Einhaltung der Spannungsqualität am Verknüpfungspunkt verantwortlich. Auf Anzeige hin misst er über einen Zeitraum von typischerweise 7 Tagen und leitet bei Überschreitungen Maßnahmen ein, etwa die Anpassung der Trafostufe, die Verstärkung von Leitungen oder den Einsatz regelbarer Ortsnetztransformatoren. Diese Maßnahmen dauern Monate bis Jahre, sind aber seine Pflicht.
Was in der Zwischenzeit hilft
Den Eigenverbrauch erhöhen, weil jede selbst verbrauchte Kilowattstunde die Einspeisung und damit die Spannungsanhebung verringert. Einen Speicher laden, der mittags Leistung aufnimmt. Und die Blindleistungseinstellung des Wechselrichters prüfen lassen: Eine angepasste Kennlinie kann die Spannung senken, kostet aber etwas Wirkleistung.
Fehlerprotokoll des Wechselrichters exportieren, mit Datum, Uhrzeit und gemessener Spannung. Diese Daten sind der Nachweis gegenüber dem Netzbetreiber. Eine formlose schriftliche Anzeige mit dieser Liste löst die Prüfung aus. Ohne Daten wird der Fall regelmäßig als Einzelereignis abgelegt.
Zur Einordnung des Verlusts: Abschaltungen an sonnigen Mittagen treffen genau die ertragsstärksten Stunden. Wer an 30 Tagen im Jahr je 2 Stunden verliert, büßt bei 10 Kilowatt-Peak rund 400 Kilowattstunden ein.
Melden Sie das Problem, auch wenn der Verlust klein wirkt. Netzbetreiber priorisieren nach gemeldeten Fällen, und ohne Meldung bleibt der Strang unauffällig.
Ein Hinweis zur eigenen Zuleitung: Der Querschnitt zwischen Wechselrichter und Zählerschrank sollte großzügig gewählt sein. Bei 20 Metern Leitungsweg und 10 Kilowatt sind 6 Quadratmillimeter häufig knapp, 10 Quadratmillimeter die bessere Wahl.
Der Mehrpreis liegt bei 50 bis 150 Euro und verhindert genau den Spannungsanstieg, den man später beim Netzbetreiber reklamiert. Diese Position gehört in die Planung, nicht in die Reklamation.
- § 8 EnWG, Netzanschluss (Gesetze im Internet)
- VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik