Wie schützt man die Anlage vor Überspannung?
Überspannung ist die häufigste Ursache für einen zerstörten Wechselrichter. Der Schutz kostet wenige hundert Euro und fehlt in günstigen Angeboten regelmäßig.
Bild: KI-erzeugtMit Überspannungsableitern auf der Gleich- und der Wechselstromseite. Der direkte Blitzeinschlag ist selten, die Überspannung durch einen Einschlag in der Umgebung ist die eigentliche Gefahr.
Was tatsächlich passiert
Ein direkter Einschlag in die Anlage ist selten. Häufig ist die Einkopplung: Ein Blitz schlägt in der Umgebung ein, das entstehende elektromagnetische Feld induziert in den Leitungen Spannungsspitzen von mehreren Kilovolt. Diese Spitzen dauern Mikrosekunden und zerstören Halbleiter. Betroffen sind Wechselrichter, Kommunikationstechnik, Energiemanagement und gelegentlich Geräte im Haus.
Wo Schutz sitzen muss
An drei Stellen: auf der Gleichstromseite nahe am Wechselrichter, auf der Wechselstromseite in der Verteilung und bei Datenleitungen, die aus dem Gebäude führen. Ein Schutz nur auf der Wechselstromseite ist unvollständig, weil die Gleichstromleitungen die längste Antenne der ganzen Anlage sind. Die Ableiter kosten je nach Ausführung zusammen 200 bis 600 Euro einschließlich Einbau.
Was ein äußerer Blitzschutz leistet
Ein Gebäude mit Blitzschutzanlage braucht eine abgestimmte Ausführung: Entweder werden Trennungsabstände zwischen Fangeinrichtung und Anlage eingehalten, oder die Anlage wird in den Blitzschutz eingebunden. Beides gehört in die Planung. Bei Gebäuden ohne äußeren Blitzschutz ist er wegen der Anlage nicht zwingend nachzurüsten, der innere Überspannungsschutz aber sehr wohl.
Was Versicherer verlangen
Viele Verträge setzen einen Überspannungsschutz voraus oder kürzen die Leistung, wenn er fehlt. Der Nachweis erfolgt über das Prüfprotokoll der elektrischen Anlage. Deshalb gehört die Position ausdrücklich ins Angebot und auf die Rechnung, nicht in eine Sammelposition Zubehör.
Die Wartung der Ableiter
Überspannungsableiter haben eine Verschleißanzeige, meist ein farbiges Sichtfenster. Sie wechselt nach einem Ableitvorgang und zeigt, dass das Bauteil ersetzt werden muss. Diese Anzeige gehört in die jährliche Sichtprüfung. Ein ausgelöster Ableiter schützt nicht mehr, sieht aber unverändert aus, wenn niemand hinsieht.
Zur Einordnung: Ein Wechselrichter kostet 1.200 bis 2.500 Euro Ersatz, der Schutz 200 bis 600 Euro. Ein einziges Ereignis über 20 Jahre rechtfertigt die Ausgabe.
Prüfen Sie im Angebot, ob Ableiter auf beiden Seiten enthalten sind. Formulierungen wie Überspannungsschutz vorhanden ohne Angabe der Seiten sind der häufigste Weg, an dieser Position zu sparen.
Ein Punkt zur Ausführung: Die Ableiter müssen zur Anlage passen, insbesondere zur maximalen Systemspannung auf der Gleichstromseite, üblich 1.000 oder 1.100 Volt. Ein falsch dimensionierter Ableiter schützt nicht.
Ebenso wichtig ist die Leitungsführung: Gleich- und Wechselstromleitungen sollten nicht über weite Strecken parallel und mit großer Schleifenfläche verlegt werden, weil genau das die Einkopplung begünstigt.
Lassen Sie sich die Ableiter im Prüfprotokoll ausweisen. Sie sind die Position, die im Angebot am leichtesten verschwindet und im Schadensfall am teuersten fehlt. Zur Einordnung der Häufigkeit: Überspannungsschäden treten deutlich öfter auf als direkte Einschläge, und sie betreffen bevorzugt Anlagen mit langen Gleichstromleitungen zwischen Dach und Keller. Wer den Wechselrichter in Dachnähe setzt, verkürzt diese Leitungen und verringert damit das Risiko messbar, ohne einen Cent für Technik auszugeben. Das ist die günstigste Schutzmaßnahme überhaupt.
- VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV, Gesetze im Internet)