Was ist eine gebrauchte Photovoltaikanlage wert?
Beim Hausverkauf, bei einer Erbteilung oder bei einer Trennung stellt sich die Frage nach dem Wert. Sie lässt sich rechnen, wenn vier Größen bekannt sind.
Bild: KI-erzeugtSo viel wie die verbleibenden Erträge abzüglich anstehender Kosten. Bei 10 Jahren Restförderung und einer intakten Anlage sind das häufig 30 bis 50 Prozent des ursprünglichen Preises.
Die Bewertungsgrundlage
Der Wert einer Anlage ist die Summe der künftigen Nutzen, abgezinst und vermindert um die künftigen Kosten. Nutzen sind die Einspeisevergütung bis zum Ende der Förderdauer und die ersparten Strombezugskosten aus dem Eigenverbrauch. Kosten sind Versicherung, Messstellenbetrieb, ein anstehender Wechselrichtertausch und die Rückbauverpflichtung am Ende. Wer diese vier Positionen für die Restlaufzeit aufstellt, hat den Wert.
Eine Beispielrechnung
Eine Anlage aus dem Jahr 2016 mit 8 Kilowatt-Peak, Inbetriebnahme im Mai, hat noch rund 10 Jahre Förderung. Sie liefert 7.400 Kilowattstunden im Jahr, davon 2.200 im Eigenverbrauch zu 35 Cent und 5.200 in der Einspeisung zu dem damals höheren Satz. Der Jahresnutzen liegt damit bei etwa 1.400 Euro, die Betriebskosten bei 250 Euro. Über 10 Jahre bleiben rund 11.500 Euro, abzüglich eines Wechselrichtertauschs von 1.800 Euro also knapp 9.700 Euro. Abgezinst und mit einem Risikoabschlag versehen landet man bei 6.000 bis 8.000 Euro.
Was den Wert stark beeinflusst
Das Inbetriebnahmejahr, weil ältere Anlagen deutlich höhere Vergütungssätze tragen. Eine Anlage von 2011 kann je Kilowattstunde ein Mehrfaches dessen erhalten, was heute gezahlt wird, und ist deshalb trotz höheren Alters wertvoller als eine junge. Weiter zählen der Zustand des Wechselrichters, die Vollständigkeit der Unterlagen und die Frage, ob die Anlage im Marktstammdatenregister korrekt eingetragen ist.
Was den Wert drückt
Fehlende Dokumentation, ein Wechselrichter über 10 Jahre, sichtbare Korrosion an der Unterkonstruktion, eine Dachfläche, die in wenigen Jahren saniert werden muss, und Verschattung durch inzwischen gewachsene Bäume. Jeder dieser Punkte lässt sich beziffern: Der Wechselrichter mit 1.200 bis 2.500 Euro, der Ab- und Wiederaufbau bei einer Dachsanierung mit 2.000 bis 5.000 Euro.
Was beim Verkauf zu regeln ist
Der Betreiberwechsel im Marktstammdatenregister binnen eines Monats, die Mitteilung an den Netzbetreiber mit Zählerstand zum Stichtag und die Übergabe der vollständigen Unterlagen. Wer diese drei Schritte vorbereitet, verkauft schneller und höher, weil der Käufer keine Unsicherheit einpreisen muss.
Zur Einordnung des Marktes: Für Bestandsanlagen mit hoher Restvergütung gibt es Käufer, die gezielt danach suchen. Für Anlagen ohne Restförderung ist der Markt dünn, dort zählt fast nur noch der Eigenverbrauchsnutzen für den Käufer des Hauses.
Lassen Sie im Zweifel eine Ertragsprüfung machen. Sie kostet 200 bis 450 Euro, belegt den technischen Zustand und ist im Verkaufsgespräch das stärkste Argument.
Und dokumentieren Sie die letzten drei Jahreserträge. Sie sind der einzige belastbare Beleg dafür, dass die Anlage liefert, was sie liefern soll.
Ein Punkt zur Preisfindung: Käufer rechnen mit einem Risikoabschlag von 20 bis 30 Prozent auf den errechneten Barwert, weil sie den technischen Zustand nicht kennen. Wer eine Ertragsprüfung und vollständige Unterlagen vorlegt, verringert diesen Abschlag deutlich.
Und klären Sie, ob eine Restgarantie auf Module oder Wechselrichter besteht und ob sie übertragbar ist. Eine übertragbare Garantie über weitere 10 Jahre ist für den Käufer bares Geld wert.