de.gmbhPhotovoltaik
Photovoltaik · Unterschiede

Wie viel bringt ein Ostwestdach gegenüber einem Süddach?

Die Südausrichtung gilt als Ideal, und für die reine Erntemenge stimmt das auch. Für die Rechnung, die am Ende zählt, ist sie es oft nicht.

Wie viel bringt ein Ostwestdach gegenüber einem Süddach?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Rund 10 bis 20 Prozent weniger Jahresertrag, dafür eine gleichmäßigere Verteilung über den Tag. Für den Eigenverbrauch ist Ost-West häufig die bessere Wahl als reine Südausrichtung.

Die Ertragszahlen

Eine nach Süden ausgerichtete Fläche mit 30 bis 35 Grad Neigung erreicht in Deutschland den höchsten spezifischen Ertrag, üblich sind 950 bis 1.100 kWh je kWp und Jahr. Eine Ost-West-Anlage mit derselben Neigung kommt auf etwa 80 bis 90 Prozent davon, also grob 800 bis 950 kWh je kWp. Eine reine Ostausrichtung oder reine Westausrichtung liegt bei etwa 75 bis 85 Prozent. Eine Nordausrichtung bleibt auch mit moderner Technik deutlich darunter und lohnt sich nur bei flachen Neigungen unter 15 Grad.

Warum die Verteilung wichtiger ist als die Summe

Eine Südanlage liefert eine hohe Spitze um die Mittagszeit und fällt vormittags und nachmittags stark ab. Eine Ost-West-Anlage liefert zwei flachere Buckel am Vormittag und am Nachmittag. Genau dann verbrauchen die meisten Haushalte Strom, nämlich beim Frühstück und am Abend. Ohne Speicher steigt die Eigenverbrauchsquote dadurch spürbar, häufig um 5 bis 10 Prozentpunkte. Weil eine selbst verbrauchte Kilowattstunde vier- bis fünfmal so viel wert ist wie eine eingespeiste, gleicht dieser Effekt den geringeren Gesamtertrag oft mehr als aus.

Der Flächenvorteil

Auf einem Ost-West-Dach lassen sich beide Seiten belegen. Wo eine Südanlage nur eine Hälfte nutzt, kommt die Ost-West-Variante auf fast die doppelte Modulfläche. Der niedrigere spezifische Ertrag wird damit durch mehr installierte Leistung ausgeglichen. Bei einem Dach mit je 40 Quadratmetern je Seite sind 16 kWp möglich statt 8 kWp, und 16 kWp mit 850 kWh je kWp liefern 13.600 kWh gegenüber 8.800 kWh.

Die Neigung und ihr Einfluss

Zwischen 20 und 45 Grad ändert sich der Jahresertrag bei Südausrichtung nur um wenige Prozent. Flachere Neigungen bringen im Sommer mehr und im Winter weniger, steilere umgekehrt. Wer eine Wärmepumpe betreibt und im Winter Strom braucht, kann von einer steileren Neigung profitieren: Bei 60 Grad steht die Fläche günstiger zur tiefen Wintersonne, und Schnee rutscht besser ab.

Was das für die Planung heißt

Erst die verfügbare Fläche bestimmen, dann die Ausrichtung bewerten, dann die Anlagengröße festlegen. Wer ein Ost-West-Dach hat, sollte nicht auf die Südseite verzichten, sondern beide Seiten belegen, sofern die Wechselrichterauslegung das trägt. Zwei Strangeingänge mit getrennter Regelung sind dafür Voraussetzung, und die haben marktübliche Geräte.

Zur Einordnung: Der Unterschied zwischen einer perfekt ausgerichteten und einer durchschnittlichen Anlage liegt bei 10 bis 20 Prozent. Der Unterschied zwischen 30 und 60 Prozent Eigenverbrauch liegt bei einem Vielfachen davon. Wer optimieren will, sollte deshalb beim Verbrauch anfangen und nicht auf dem Dach.

Praktisch heißt das: Ein Ost-West-Dach ist kein Nachteil, sondern für viele Haushalte die günstigere Ausgangslage. Nur bei reiner Volleinspeisung zählt die Summe, und dann ist Süden klar im Vorteil.

Rechnen Sie den Vergleich immer über das ganze Dach, nicht über den spezifischen Ertrag. 8 kWp nach Süden mit 1.050 kWh je kWp ergeben 8.400 kWh, 16 kWp nach Ost und West mit 870 kWh je kWp ergeben 13.900 kWh. Die zweite Anlage kostet mehr, liefert aber deutlich mehr und passt besser zum Tagesverlauf.

Quellen
  1. Fraunhofer ISE, Daten zu erneuerbaren Energien in Deutschland
  2. Bundesnetzagentur
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.