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Photovoltaik · Ertrag & Kosten

Lohnt es sich, Module reinigen zu lassen?

Reinigungsangebote werben mit zweistelligen Ertragsgewinnen. Für das gewöhnliche Steildach in Deutschland sind sie unbegründet, für einige Sonderfälle nicht.

Lohnt es sich, Module reinigen zu lassen?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Bei geneigten Dächern ab 15 Grad meist nicht, dort reinigt Regen ausreichend. Lohnend wird es bei flachen Neigungen, in staubiger Umgebung und bei starker Verschmutzung durch Laub oder Vogelkot.

Was Verschmutzung tatsächlich kostet

Auf geneigten Dächern ab etwa 15 Grad spült Regen den größten Teil des Staubs ab. Messungen zeigen dort typischerweise 1 bis 3 Prozent Ertragsverlust durch Verschmutzung über das Jahr. Bei einer Anlage mit 10 Kilowatt-Peak und 9.500 Kilowattstunden sind das 95 bis 285 Kilowattstunden, bewertet mit 20 Cent also 19 bis 57 Euro. Eine Reinigung kostet 200 bis 600 Euro und amortisiert sich damit nicht.

Wo es anders aussieht

Bei Neigungen unter 15 Grad, weil Wasser stehen bleibt und Schmutzränder entstehen. In der Nähe von Landwirtschaft, Industrie, stark befahrenen Straßen und Baustellen. Unter Bäumen, wo Laub und Harz liegen bleiben. Und bei starkem Vogelkot, der punktuell wirkt und zu Hotspots führen kann. In solchen Fällen sind 5 bis 10 Prozent Verlust möglich, und dann rechnet sich eine Reinigung alle 2 bis 3 Jahre.

Der kritische Rand

Am unteren Modulrand sammelt sich Schmutz, weil Wasser dort abläuft und Reste zurücklässt. Dieser Streifen ist wenige Zentimeter breit, wirkt aber wie eine Teilverschattung über die ganze Zellreihe. Rahmenlose Module und solche mit ausreichender Neigung sind davon weniger betroffen. Wer bei der Planung auf eine Neigung über 20 Grad achtet, spart sich das Thema weitgehend.

Wie richtig gereinigt wird

Mit entmineralisiertem Wasser, weichen Bürsten und ohne Reinigungsmittel. Kein Hochdruck, weil er Dichtungen und Rückseitenfolie beschädigen kann. Keine harten Bürsten, weil sie die Antireflexschicht zerkratzen. Und niemals bei praller Sonne, weil kaltes Wasser auf heißem Glas Spannungsrisse erzeugen kann. Reinigung von der Dachfläche aus ist zudem eine Arbeit mit Absturzgefahr und gehört an eine Fachfirma.

Was man selbst tun kann

Vom Boden aus schauen. Sichtbare Verschmutzung, Moos am Rand, Laub in den Zwischenräumen und Vogelnester unter den Modulen sind Anlässe zum Handeln. Der Rest zeigt sich im Ertragsverlauf: Ein schleichender Rückgang über mehrere Jahre bei gleichbleibender Einstrahlung deutet eher auf Verschmutzung als auf Degradation.

Zur Einordnung: Wer alle 3 Jahre für 400 Euro reinigen lässt, gibt über 20 Jahre rund 2.700 Euro aus. Diese Summe muss der Mehrertrag erst einspielen.

Prüfen Sie deshalb vor der Beauftragung, ob überhaupt ein Verlust messbar ist. Ein Angebot, das ohne Messung 15 Prozent Mehrertrag verspricht, verkauft eine Zahl, die es auf deutschen Steildächern nicht gibt.

Ein Sonderfall ist Moos und Flechtenbewuchs am unteren Rahmen. Er hält Feuchtigkeit und wächst über Jahre in die Fläche hinein. Hier lohnt eine Entfernung, weil der Bewuchs sonst dauerhaft Zellreihen verschattet.

Ebenfalls sinnvoll ist die Kontrolle nach Bauarbeiten in der Nachbarschaft. Zementstaub verbindet sich mit Feuchtigkeit zu einer Schicht, die Regen allein nicht mehr abwäscht. Lassen Sie in beiden Fällen den Ertrag vorher und nachher vergleichen, sonst bleibt der Nutzen eine Behauptung.

Quellen
  1. Fraunhofer ISE, Daten zu erneuerbaren Energien in Deutschland
  2. VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.