Was ist der Unterschied zwischen Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad?
Beide Kennzahlen stehen in jedem Angebot, meist mit sehr optimistischen Werten. Sie messen Verschiedenes und lassen sich nicht gleichzeitig maximieren.
Bild: KI-erzeugtDie Eigenverbrauchsquote sagt, welcher Anteil der Erzeugung im Haus bleibt. Der Autarkiegrad sagt, welcher Anteil des Verbrauchs aus eigener Erzeugung stammt. Beide steigen selten gemeinsam.
Die beiden Formeln
Eigenverbrauchsquote ist der selbst verbrauchte Solarstrom geteilt durch die gesamte Erzeugung. Autarkiegrad ist der selbst verbrauchte Solarstrom geteilt durch den gesamten Verbrauch. Ein Beispiel: Eine Anlage erzeugt 9.500 kWh, davon bleiben 2.800 kWh im Haus, der Haushalt verbraucht insgesamt 4.200 kWh. Die Eigenverbrauchsquote beträgt dann rund 29 Prozent, der Autarkiegrad rund 67 Prozent. Beide Zahlen beschreiben dieselbe Anlage, und sie sagen völlig Verschiedenes aus.
Warum sie gegenläufig sind
Eine kleine Anlage hat eine hohe Eigenverbrauchsquote, weil fast alles im Haus bleibt, aber einen niedrigen Autarkiegrad, weil sie den Bedarf nicht deckt. Eine große Anlage hat es umgekehrt. Wer den Autarkiegrad steigern will, baut größer und speist mehr ein. Wer die Eigenverbrauchsquote steigern will, baut kleiner oder verlagert Verbrauch in die Mittagszeit. Beides gleichzeitig geht nur über einen Speicher, und auch der stößt an Grenzen.
Typische Werte ohne Speicher
Ein Einfamilienhaus mit 10 kWp und ohne Speicher kommt auf eine Eigenverbrauchsquote von 25 bis 35 Prozent und einen Autarkiegrad von 25 bis 35 Prozent. Mit einem Speicher von 8 kWh steigen beide auf grob 55 bis 70 Prozent. Weiteres Wachstum ist teuer erkauft, weil im Winter schlicht zu wenig erzeugt wird: Im Dezember liefert eine Anlage in Deutschland nur etwa 20 bis 25 Prozent des Monatsertrags eines Junimonats.
Warum vollständige Autarkie kaum erreichbar ist
Dafür müsste der Sommerüberschuss in den Winter transportiert werden. Das erfordert Speicherkapazitäten, die um zwei Größenordnungen über einem Hausspeicher liegen, oder eine Umwandlung in einen anderen Energieträger. Für ein Einfamilienhaus ist das wirtschaftlich nicht darstellbar. Angebote, die 90 Prozent Autarkie versprechen, rechnen entweder mit einem sehr kleinen Verbrauch oder mit einem sehr großen Speicher, dessen Kosten die Ersparnis übersteigen.
Welche Zahl wirtschaftlich zählt
Weder die eine noch die andere allein, sondern der Betrag in Euro. Entscheidend ist, wie viele Kilowattstunden Netzbezug vermieden werden und was die vermiedene Kilowattstunde kostet. Bei 2.800 kWh Eigenverbrauch und 35 Cent je kWh sind das 980 Euro im Jahr, dazu die Einspeisevergütung für den Rest. Diese Rechnung ist unabhängig davon, wie die Quoten heißen.
Für die Dimensionierung heißt das: Zuerst den Verbrauch bestimmen, dann die Anlage so auslegen, dass sie ihn im Sommer deckt und im Winter so viel wie möglich beiträgt.
Und verlagern Sie, was sich verlagern lässt. Waschmaschine, Spülmaschine, Warmwasser und Fahrzeugladung in die Mittagsstunden zu ziehen hebt die Eigenverbrauchsquote um 5 bis 15 Prozentpunkte und kostet nichts außer einer Zeitschaltuhr.
Vorsicht bei Angeboten, die beide Quoten gleichzeitig hoch ausweisen. Das ist rechnerisch nur möglich, wenn Anlage und Verbrauch fast identisch groß sind und ein großer Speicher die Tagesverschiebung ausgleicht. In der Praxis kostet die letzte Steigerung um 10 Prozentpunkte so viel wie die ersten 40, weil sie nur über zusätzliche Speicherkapazität zu haben ist.