de.gmbhPhotovoltaik
Photovoltaik · Unterschiede

Was ist Schwachlichtverhalten und warum zählt es in Deutschland?

Prospekte zeigen Spitzenleistungen unter Laborbedingungen. Der deutsche Himmel liefert diese Bedingungen an wenigen Stunden im Jahr, und deshalb entscheidet etwas anderes über den Ertrag.

Was ist Schwachlichtverhalten und warum zählt es in Deutschland?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Weil ein großer Teil des Jahresertrags bei geringer Einstrahlung anfällt. Module mit gutem Schwachlichtverhalten liefern bei bedecktem Himmel spürbar mehr als solche, die nur bei voller Sonne stark sind.

Wie das Licht in Deutschland tatsächlich ankommt

Die jährliche Globalstrahlung liegt je nach Region bei rund 950 bis 1.250 Kilowattstunden je Quadratmeter. Ein erheblicher Teil davon ist Diffusstrahlung, also Licht aus dem bedeckten Himmel ohne direkte Sonne, verbreitet sind 50 bis 60 Prozent im Jahresmittel. Volle Einstrahlung von 1.000 Watt je Quadratmeter tritt nur an klaren Tagen um die Mittagszeit auf, über das Jahr gerechnet an wenigen hundert Stunden.

Was Schwachlichtverhalten bedeutet

Der Wirkungsgrad eines Moduls ist nicht konstant. Bei 1.000 Watt je Quadratmeter erreicht ein gutes Modul seinen Nennwirkungsgrad, bei 200 Watt je Quadratmeter fällt er ab. Wie stark, ist eine Materialeigenschaft. Gute Module verlieren bei 200 Watt nur 1 bis 3 Prozentpunkte relativ, schwächere deutlich mehr. Diese Angabe steht als Wirkungsgrad bei Teillast im Datenblatt und wird selten beworben.

Warum es im Alltag den Unterschied macht

Ein Modul, das an trüben Tagen 5 Prozent mehr liefert, gewinnt über das Jahr spürbar, weil diese Tage in Deutschland überwiegen. Über eine Anlage mit 10 kWp und 9.500 kWh gerechnet sind 3 Prozent rund 285 kWh im Jahr, bewertet mit einem Mischsatz von 20 Cent also 57 Euro. Über 25 Jahre summiert sich das auf mehr als 1.400 Euro, ohne dass ein einziges zusätzliches Modul verbaut wurde.

Der Temperaturkoeffizient als Gegenstück

Bei voller Sonne ist die Modultemperatur hoch, häufig 50 bis 65 Grad. Jedes Grad über 25 kostet Leistung, üblich 0,3 bis 0,4 Prozent. Ein Modul mit minus 0,29 Prozent je Grad liefert bei 60 Grad rund 3 Prozent mehr als eines mit minus 0,38 Prozent. Auch dieser Wert wird selten beworben und wirkt genau in den ertragsstärksten Stunden.

Was Sie daraus für die Auswahl mitnehmen

Fragen Sie nach drei Zahlen: Wirkungsgrad bei 1.000 und bei 200 Watt je Quadratmeter sowie Temperaturkoeffizient der Leistung. Ein Betrieb, der sie nennen kann, hat das Datenblatt gelesen. Ein Betrieb, der nur die Nennleistung nennt, verkauft Stückzahlen.

Zur Einordnung des Standorts: Zwischen Küste und Alpenvorland liegen rund 20 Prozent Unterschied im Jahresertrag. Diese Spanne ist größer als jeder Modulunterschied und lässt sich nicht beeinflussen.

Für die Ertragserwartung gilt deshalb: Rechnen Sie mit dem regionalen Wert und nicht mit dem Prospekt. 900 kWh je kWp im Norden und 1.100 im Süden sind realistische Ausgangswerte.

Ein praktischer Hinweis: Vergleichen Sie die Monatserträge Ihrer Anlage mit einem Ertragsrechner für den eigenen Standort. Abweichungen von mehr als 10 Prozent über mehrere Monate sind ein Grund zur Fehlersuche, einzelne schlechte Wochen dagegen nicht.

Rechnen Sie mit einer typischen Verteilung: Von 9.500 kWh Jahresertrag fallen rund 70 Prozent zwischen April und September an, im Dezember und Januar zusammen oft weniger als 6 Prozent.

Quellen
  1. Fraunhofer ISE, Daten zu erneuerbaren Energien in Deutschland
  2. VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.