Was ist der Unterschied zwischen Zweirichtungszähler und Erzeugungszähler?
Zwei Zähler, zwei Fragen. Wer weiß, welche Zahl woher kommt, kann jede Abrechnung prüfen und jeden Ertragsverlust einordnen.
Bild: KI-erzeugtDer Zweirichtungszähler sitzt am Netzanschluss und misst Bezug und Einspeisung. Der Erzeugungszähler misst, was die Anlage insgesamt produziert, und ist bei kleinen Anlagen meist nicht erforderlich.
Der Zweirichtungszähler
Er sitzt am Übergabepunkt zum Netz und hat zwei Zählwerke: eines für den Bezug aus dem Netz, eines für die Einspeisung. Er ist geeicht und Grundlage sowohl der Stromrechnung als auch der Einspeisevergütung. Bei jeder Anlage mit Einspeisung ist er zwingend. Was er nicht sagt: wie viel die Anlage insgesamt erzeugt hat, denn der selbst verbrauchte Anteil läuft nie über diesen Zähler.
Der Erzeugungszähler
Er sitzt zwischen Wechselrichter und Hausverteilung und misst die gesamte Erzeugung. Nötig ist er, wenn die Erzeugung mengengenau nachgewiesen werden muss, etwa bei Umlagepflichten, bei Direktvermarktung oder bei Lieferung an Dritte. Für eine private Anlage bis 30 kWp mit Kleinunternehmerregelung ist er in der Regel entbehrlich, weil niemand die Erzeugung amtlich wissen muss.
Die Zahl aus dem Wechselrichter
Jeder moderne Wechselrichter zählt mit und zeigt Tages-, Monats- und Jahreserträge. Diese Werte sind nicht geeicht und weichen typischerweise um 1 bis 3 Prozent von einer geeichten Messung ab. Für die eigene Kontrolle reicht das vollkommen: Wer wissen will, ob die Anlage ihre 900 bis 1.100 kWh je kWp erreicht, bekommt die Antwort aus dem Portal.
Wie sich der Eigenverbrauch berechnet
Erzeugung minus Einspeisung ergibt den Eigenverbrauch. Erzeugung kommt aus dem Wechselrichter, Einspeisung aus dem Zweirichtungszähler. Bei einer Anlage mit 9.500 kWh Erzeugung und 6.700 kWh Einspeisung sind das 2.800 kWh Eigenverbrauch. Mit einem Speicher wird die Rechnung nicht komplizierter, weil der Speicher weder einspeist noch bezieht, sondern nur verschiebt.
Was bei mehreren Zählpunkten gilt
Wärmepumpen laufen häufig über einen eigenen Zähler mit gesondertem Tarif. Dann ist zu klären, ob Solarstrom in diesen Kreis fließen darf; bei getrennter Messung ist das oft nicht möglich, und die Wärmepumpe bezieht immer aus dem Netz. Eine Kaskadenmessung oder eine Umstellung auf einen gemeinsamen Zählpunkt löst das, kostet aber einen Umbau im Zählerschrank.
Zur Einordnung der Kosten: Ein zusätzlicher Zählpunkt kostet 20 bis 60 Euro im Jahr, der Umbau einmalig 300 bis 1.200 Euro. Wer eine Wärmepumpe plant, sollte diese Frage vor dem Einbau klären, nicht danach.
Notieren Sie sich einmal im Jahr beide Zählerstände zum selben Datum. Damit lässt sich jede Abrechnung in zwei Minuten prüfen, und Ablesefehler fallen sofort auf.
Ein häufiger Irrtum betrifft die Zählrichtung: Ein Zweirichtungszähler zählt nicht saldiert, sondern getrennt. Wer zeitgleich 2 kW erzeugt und 3 kW verbraucht, bezieht 1 kW aus dem Netz; wer 3 kW erzeugt und 2 kW verbraucht, speist 1 kW ein.
Bei Drehstrom wird zudem über alle drei Phasen saldiert, was für Balkonkraftwerke wichtig ist: Ein Gerät auf einer Phase mindert auch den Verbrauch auf den anderen beiden, solange der Zähler saldierend arbeitet. Prüfen Sie diese Eigenschaft am Zählertyp, bevor Sie ein Steckersolargerät planen.
- § 8 EnWG, Netzanschluss (Gesetze im Internet)
- § 21c EEG, Verfahren für die Zuordnung (Gesetze im Internet)