Was unterscheidet Glas-Folie- von Glas-Glas-Modulen?
Der Unterschied sitzt auf der Rückseite und wirkt sich auf Gewicht, Lebensdauer und Garantie aus. Für die Dachstatik ist er der wichtigste Materialunterschied überhaupt.
Bild: KI-erzeugtGlas-Folie hat eine Kunststoffrückseite und ist leichter und günstiger. Glas-Glas trägt hinten eine zweite Scheibe, ist mechanisch stabiler, altert langsamer und wiegt spürbar mehr.
Der Aufbau
Bei Glas-Folie liegen die Zellen zwischen einer Frontscheibe aus Solarglas und einer mehrschichtigen Kunststofffolie. Bei Glas-Glas übernimmt eine zweite Glasscheibe die Rückseite. Beide werden mit einer Einbettungsfolie laminiert, die die Zellen schützt und fixiert. Die zweite Scheibe macht das Modul steifer und dichter gegen eindringende Feuchtigkeit.
Alterung und Degradation
Die häufigsten Alterungsmechanismen sind Feuchtigkeitseintritt und Delamination. Glas ist praktisch wasserdampfdicht, Kunststofffolien sind es nur begrenzt. Hersteller geben deshalb für Glas-Glas-Module oft niedrigere jährliche Degressionswerte an, etwa 0,3 Prozent gegenüber 0,5 Prozent, und längere Leistungsgarantien, häufig 30 Jahre. Über 30 Jahre gerechnet macht ein Unterschied von 0,2 Prozentpunkten im Jahr rund 6 Prozentpunkte Restleistung aus.
Gewicht und Statik
Ein Glas-Folie-Modul mit rund 2 Quadratmetern wiegt 19 bis 23 Kilogramm, ein Glas-Glas-Modul 22 bis 28 Kilogramm. Bei 24 Modulen sind das 70 bis 120 Kilogramm mehr auf dem Dach, verteilt über die Fläche. Für die meisten Dachstühle unerheblich, für ein altes Dach mit schwacher Sparrenlage oder in hoher Schneelastzone kann es den Ausschlag geben. Deshalb gehört das Modulgewicht in die Statikbetrachtung.
Bruchverhalten
Glas-Glas-Module sind biegesteifer und vertragen höhere Druck- und Soglasten, angegeben in Pascal, üblich sind 5.400 und 2.400 Pascal. Bricht dennoch eine Scheibe, hält die Einbettungsfolie die Splitter zusammen, und das Modul bleibt oft noch teilweise funktionsfähig. Bei Glas-Folie-Modulen führt ein Rückseitenschaden dagegen schnell zu Feuchtigkeitseintritt und damit zum Ausfall.
Wo Glas-Glas besonders sinnvoll ist
Bei Aufständerungen ohne durchgehende Auflage, bei Carports und Überdachungen, wo die Rückseite sichtbar ist, bei bifazialer Nutzung und in Regionen mit hoher Hagel- oder Schneelast. Bei einer gewöhnlichen Aufdachmontage auf einem Steildach in mittlerer Schneelastzone ist der Vorteil geringer und der Aufpreis von 5 bis 15 Prozent nicht immer gerechtfertigt.
Zur Einordnung: Wer 30 Jahre plant, gewinnt mit Glas-Glas an Restleistung und Sicherheit. Wer mit 20 Jahren rechnet und die Anlage danach ohnehin erneuern will, bekommt für denselben Aufpreis mehr Leistung durch zusätzliche Module.
Prüfen Sie in beiden Fällen die angegebenen Belastungswerte gegen die Schneelastzone am Standort. Diese Zahl ist wichtiger als der Aufbau, denn ein Modul, das die Last nicht trägt, ist unabhängig vom Material die falsche Wahl.
Für die Praxis lohnt der Blick ins Datenblatt auf drei Zeilen: Gewicht in Kilogramm, Druck- und Soglast in Pascal und die zugesicherte Restleistung nach 25 oder 30 Jahren. Diese drei Werte trennen die Bauarten deutlicher als der Name.
Bei Carports und Terrassenüberdachungen ist die Entscheidung dagegen einfach: Dort ist die Rückseite sichtbar, und ein transparentes Glas-Glas-Modul lässt Licht durch, was eine weiße Folie nie könnte. Rechnen Sie den Aufpreis gegen: 10 Prozent mehr Modulkosten entsprechen bei einer 10-kWp-Anlage rund 700 bis 1.000 Euro.
- VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
- Produktsicherheitsgesetz (Gesetze im Internet)