Anlage kaufen oder pachten?
Pachtmodelle werben mit null Anschaffungskosten. Die Frage ist nicht, ob das stimmt, sondern was die Bequemlichkeit über 20 Jahre kostet.
Bild: KI-erzeugtKaufen ist über 20 Jahre fast immer günstiger. Pachten kostet kein Eigenkapital und verlagert Wartung und Risiko, dafür bleibt ein erheblicher Teil des Ertrags beim Anbieter.
Wie Pachtmodelle rechnen
Der Anbieter errichtet die Anlage und bleibt Eigentümer. Der Kunde zahlt eine monatliche Rate, meist 80 bis 200 Euro je nach Größe, und nutzt den Strom. Wartung, Versicherung und Reparaturen sind in der Regel enthalten. Am Ende der Laufzeit, üblich sind 18 bis 20 Jahre, kann die Anlage übernommen werden, häufig gegen eine Restzahlung. Die Summe aller Raten liegt in aller Regel deutlich über dem Kaufpreis.
Die Gegenrechnung
Eine Anlage mit 10 kWp kostet einschließlich Montage 12.000 bis 20.000 Euro und liefert über 20 Jahre einen Nutzen aus Eigenverbrauch und Einspeisung von grob 25.000 bis 35.000 Euro. Eine Pachtrate von 130 Euro monatlich ergibt über 20 Jahre 31.200 Euro. Der Kunde zahlt also ungefähr den gesamten Nutzen und behält die Bequemlichkeit. Wer über eine Finanzierung nachdenkt, sollte deshalb Kredit gegen Pacht rechnen, nicht Pacht gegen Barkauf.
Was für die Pacht spricht
Kein Eigenkapital, kein Kreditvertrag, kein Ausfallrisiko bei Wechselrichter und Speicher, ein Ansprechpartner für alles. Für Haushalte ohne Rücklagen und ohne Kreditzugang ist das ein echtes Argument, ebenso für Vermieter, die den Aufwand meiden wollen. Auch die Frage der Steuerbefreiung stellt sich nicht, weil der Pächter keine Anlage betreibt.
Die Punkte im Vertrag
Fünf Fragen entscheiden. Wer ist Eigentümer und wer Anlagenbetreiber im Sinne des Marktstammdatenregisters? Wem steht die Einspeisevergütung zu? Was passiert bei einem Hausverkauf? Was kostet die Übernahme am Ende? Und wer trägt den Rückbau, wenn nicht übernommen wird? Fehlt eine dieser Antworten im Vertrag, ist er nicht bewertbar.
Der Sonderfall Contracting
Beim Stromliefermodell verkauft der Anbieter nicht die Anlage, sondern den Strom vom eigenen Dach, meist zu einem Preis unter dem Grundversorgungstarif. Das kann für den Kunden aufgehen, bindet ihn aber ebenfalls über viele Jahre und macht ihn zum Kunden statt zum Betreiber. Der Vergleichsmaßstab ist auch hier der Preis je Kilowattstunde über die gesamte Laufzeit.
Zur Einordnung der Finanzierung: Ein Kredit über 16.000 Euro mit 5 Prozent Zins und 15 Jahren Laufzeit kostet rund 127 Euro monatlich und endet nach 15 Jahren. Danach gehört die Anlage dem Eigentümer und liefert weitere 10 Jahre kostenlos.
Genau dieser Vergleich fehlt in fast jedem Pachtangebot, und er ist der einzige, der die Frage beantwortet.
Ein Punkt, der in Pachtverträgen selten klar geregelt ist: Wer bekommt die Einspeisevergütung? Bei den meisten Modellen bleibt sie beim Anbieter, während der Kunde nur den Eigenverbrauch nutzt. Bei einer Anlage mit 6.700 kWh Einspeisung sind das mehrere hundert Euro im Jahr, die in der beworbenen Ersparnis nicht auftauchen.
Lassen Sie sich deshalb eine Gesamtrechnung über die Laufzeit geben, mit allen Zahlungen und allen Erträgen auf beiden Seiten. Ohne diese Aufstellung ist ein Pachtangebot nicht mit einem Kauf vergleichbar.