de.gmbhPhotovoltaik
Photovoltaik · Unterschiede

Worin unterscheiden sich Notstrom und Ersatzstrom?

Die Begriffe werden im Vertrieb gern vermischt, und der Unterschied entscheidet darüber, ob bei einem Stromausfall die Heizung läuft oder nur eine Steckdose.

Worin unterscheiden sich Notstrom und Ersatzstrom?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Ersatzstrom versorgt bei Netzausfall ausgewählte Stromkreise nach einer kurzen Unterbrechung. Notstrom im engeren Sinn schaltet unterbrechungsfrei um und versorgt das ganze Haus, kostet aber deutlich mehr.

Warum eine Anlage bei Netzausfall abschaltet

Wechselrichter müssen sich bei Netzausfall selbst abschalten. Das ist eine Sicherheitsvorgabe und schützt Personen, die am Netz arbeiten, vor Rückspeisung. Eine gewöhnliche Anlage liefert deshalb bei einem Stromausfall nichts, auch bei voller Sonne nicht. Wer das ändern will, braucht eine Umschalteinrichtung, die das Hausnetz sicher vom öffentlichen Netz trennt, bevor eigene Erzeugung zugeschaltet wird.

Die Ersatzstromfunktion

Sie ist die verbreitete Lösung im Wohnbereich. Bei Netzausfall trennt eine Umschaltbox das Haus vom Netz, nach einer Unterbrechung von einigen Sekunden bis wenigen Minuten läuft ein abgetrennter Bereich weiter, versorgt aus Speicher und Anlage. Üblich sind eine oder mehrere eigens verdrahtete Steckdosen oder ein separater Unterverteiler. Verbraucher mit hoher Anlaufleistung, etwa Wärmepumpen und Herdplatten, bleiben meist außen vor, weil der Wechselrichter im Inselbetrieb weniger Leistung liefert als am Netz.

Notstrom im engeren Sinn

Hier erfolgt die Umschaltung unterbrechungsfrei, das Licht flackert nicht einmal. Voraussetzung ist eine entsprechend ausgelegte Elektronik und eine Anlagenauslegung, die auch Blindleistung und Anlaufströme bedient. Solche Systeme werden im Wohnbereich selten verbaut, weil sie erheblich teurer sind und weil der Nutzen bei wenigen Ausfallstunden im Jahr gering ist.

Was es kostet

Eine Ersatzstromfunktion mit Umschaltbox liegt je nach System bei 800 bis 2.500 Euro zusätzlich, sofern der Wechselrichter sie unterstützt. Wird sie nachgerüstet, kommen Umbauten im Zählerschrank hinzu. Ein vollwertiges unterbrechungsfreies System liegt deutlich darüber. Zur Einordnung: Die durchschnittliche Unterbrechungsdauer im deutschen Verteilnetz liegt seit Jahren im Bereich von etwa 12 bis 15 Minuten je Jahr und Anschluss.

Was ohne Speicher möglich ist

Wenig. Ohne Speicher kann eine Ersatzstromfunktion nur arbeiten, solange die Sonne scheint, und sie muss Leistungsschwankungen ausgleichen, die durch Wolken entstehen. Manche Geräte bieten das an, die Versorgung ist dann aber unzuverlässig. Wer Ersatzstrom will, plant praktisch immer einen Speicher mit ein.

Für die Entscheidung hilft die Frage, was tatsächlich weiterlaufen soll. Kühlschrank, Router, Licht und eine Steckdose kommen mit 500 bis 800 Watt aus, und das leistet fast jedes Ersatzstromsystem.

Wer dagegen eine Wärmepumpe im Winter weiterbetreiben will, braucht eine Auslegung, die mit 3 bis 5 Kilowatt Dauerleistung und hohen Anlaufströmen umgeht. Das ist eine andere Größenordnung und gehört ausdrücklich ins Angebot.

Lassen Sie sich in jedem Fall zeigen, welche Stromkreise im Ernstfall versorgt werden, und probieren Sie den Fall nach der Inbetriebnahme einmal aus. Ein Ersatzstromsystem, das nie getestet wurde, ist eine Annahme, keine Absicherung.

Ein Punkt, der oft fehlt: Die Ersatzstromfunktion muss beim Netzbetreiber angemeldet werden, weil eine Umschalteinrichtung in die Anlage eingreift. Ohne diese Anmeldung fehlt im Schadensfall die Grundlage, und der Netzbetreiber kann den Rückbau verlangen.

Prüfen Sie außerdem, wie sich der Speicher im Ersatzstrombetrieb verhält. Manche Systeme halten eine Reserve von 10 bis 30 Prozent vor, die nur im Notfall zur Verfügung steht. Das ist sinnvoll, verringert aber die im Alltag nutzbare Kapazität.

Quellen
  1. VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
  2. § 8 EnWG, Netzanschluss (Gesetze im Internet)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.