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Warum werden für Heimspeicher keine Bleibatterien mehr verwendet?

Bleibatterien waren im Inselbetrieb jahrzehntelang Standard und sind es für manche Sonderfälle noch. Für den Hausspeicher im Netzparallelbetrieb sind sie technisch überholt.

Warum werden für Heimspeicher keine Bleibatterien mehr verwendet?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Weil Lithiumspeicher mehr Zyklen, eine höhere nutzbare Entladetiefe und einen besseren Wirkungsgrad haben. Blei verträgt nur eine Teilentladung und hält im täglichen Zyklenbetrieb wenige Jahre.

Die Entladetiefe

Eine Bleibatterie sollte im Dauerbetrieb nur zu etwa 50 Prozent entladen werden, tiefere Entladung verkürzt die Lebensdauer drastisch. Von einer nominellen Kapazität von 10 kWh sind also 5 kWh nutzbar. Lithiumspeicher vertragen 80 bis 95 Prozent Entladetiefe, hier sind von 10 kWh also 8 bis 9,5 kWh nutzbar. Wer Angebote vergleicht, muss deshalb die nutzbare Kapazität gegenüberstellen und nicht die Bruttokapazität, sonst vergleicht er das Doppelte mit dem Einfachen.

Die Zyklenzahl

Ein Hausspeicher wird an rund 250 bis 300 Tagen im Jahr einmal geladen und entladen. Über 15 Jahre sind das 3.750 bis 4.500 Zyklen. Bleibatterien schaffen je nach Bauart 500 bis 1.500 Zyklen bei 50 Prozent Entladetiefe, Lithiumspeicher werden mit 6.000 bis 10.000 Zyklen angegeben. Damit müsste ein Bleispeicher im Betrieb mehrfach ersetzt werden, während ein Lithiumspeicher die Laufzeit übersteht.

Wirkungsgrad und Verluste

Der Umlaufwirkungsgrad liegt bei Blei je nach Ladezustand und Temperatur bei 75 bis 85 Prozent, bei Lithium bei 90 bis 95 Prozent auf Zellebene. Über ein Jahr mit 1.800 kWh Speicherumsatz bedeutet ein Unterschied von 10 Prozentpunkten rund 180 kWh Verlust, also etwa 63 Euro bei 35 Cent je kWh. Hinzu kommt, dass Blei bei Kälte deutlich an Kapazität verliert, was in unbeheizten Räumen ins Gewicht fällt.

Platz, Gewicht und Wartung

Ein Bleispeicher mit vergleichbarer nutzbarer Kapazität wiegt ein Mehrfaches und braucht deutlich mehr Raum. Offene Bleizellen verlangen Belüftung und regelmäßiges Nachfüllen von Wasser, geschlossene Bauformen sind wartungsärmer, aber empfindlicher gegen Überladung. Lithiumspeicher sind wartungsfrei, brauchen dafür ein Batteriemanagementsystem, das Zellen überwacht und ausgleicht.

Wo Blei noch sinnvoll ist

Bei reinen Inselanlagen mit seltener Nutzung, etwa in Gartenhäusern und auf Booten, wo die Anschaffungskosten dominieren und wenige Zyklen anfallen. Auch bei sehr tiefen Temperaturen ohne Heizung ist Blei robuster gegen Tiefentladung durch Selbstentladung. Für ein Einfamilienhaus am Netz gilt das nicht.

Zur Einordnung der Preise: Ein Lithiumspeicher kostet je nutzbarer Kilowattstunde grob 500 bis 900 Euro, ein Bleisystem scheinbar weniger, gerechnet auf nutzbare Kapazität und Lebensdauer aber deutlich mehr. Diese Umrechnung ist der einzige faire Vergleich.

Achten Sie in den Garantiebedingungen auf zwei Werte: die zugesicherte Zyklenzahl und die garantierte Restkapazität am Ende, üblich sind 70 bis 80 Prozent nach 10 Jahren. Ohne diese beiden Zahlen ist eine Speichergarantie nicht bewertbar.

Ein Punkt, der bei der Aufstellung zählt: Lithiumspeicher wollen 5 bis 30 Grad, idealerweise 15 bis 25 Grad. In einer ungedämmten Garage mit minus 10 Grad im Winter sinkt die nutzbare Kapazität deutlich, und dauerhafte Kälte schadet den Zellen. Ein trockener Kellerraum ist deshalb fast immer der bessere Ort als eine Außenwand.

Klären Sie außerdem den Brandschutz mit dem Versicherer. Viele Verträge verlangen Abstände zu brennbaren Materialien und eine Aufstellung außerhalb von Rettungswegen. Diese Auflagen sind einfach einzuhalten, wenn man sie vor dem Einbau kennt.

Quellen
  1. VDE, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
  2. Fraunhofer ISE, Daten zu erneuerbaren Energien in Deutschland
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.